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Der Lohn eines Zeitungszustellers

Der Lohn eines Zustellers lässt sich nicht einfach vergleichen. Er setzt sich aus vielen verschiedenen Aspekten zusammen.

Der Stücklohn

Der Stücklohn wird auch Akkordlohn genannt. Im allgemeinen wird hier ein Geldakkord gezahlt, d.h. eine große Menge führt zu einem hohen Entgelt.
Im Ostteil von Berlin werden in der Regel 3-5 Cent pro ausgetragene Zeitung gezahlt. Im westlichen Teil können es unter Umständen bis zu 10 Cent sein, allerdings ist hier die Zeitung bis an die Haustür zu liefern (Treppen steigen).
Bei einer durchschnittlichen Tour von 90- 100 Zeitungen mit 3 Cent pro Abonnenten sind dies gerade mal 3,00 pro Tag, was nach Adam Riese bei sechs Arbeitstagen in der Woche 18,00 € sind.
Hierbei muss  gesagt werden, dass es natürlich Schwankungen gibt, wenn z.Bsp. die Tour weniger Abonnenten hat oder der Stücklohn höher ist.

Der Nachtarbeitszuschlag/Sonntagszuschlag

Ein Zusteller arbeitet bekanntlich nachts. So hat laut BAG der Arbeitgeber für die während der Nachtzeit geleisteten Arbeitsstunden eine angemessene Zeit bezahlter freier Tage oder einen angemessenen finanziellen Ausgleich (Zuschlag) zu gewähren. (§ 6 Abs. 5 ArbZG). Von Montag bis Samstag werden 25 %  und am Sonntag 50 % Zuschlag gezahlt.

Das Wege-oder Kilometergeld

Ein Wegegeld wird dem Zusteller  als Ersatz für angefallene Fahrtkosten gezahlt.  In Deutschland gilt bisher folgende Regelung:
Kilometergeld von 0,30 Euro bei einem PKW, 0,13 Euro bei einem Motorrad, 0,08 Euro bei einem Moped und 0,05 Euro bei einem Fahrrad. Unter bbb.Bundesfinazministerium kann man sich noch ausführlicher informieren. Die Zustellagenturen zahlen , wenn auf einer Tour Kilometergeld gezahlt wird!! 0,265 € pro Km.

Das Urlaubsentgelt

Ist im Bundesurlaubsgesetz § 11 festgelegt und berechnet sich aus dem durchschnittlichen Arbeitsentgelt, dass der Zusteller 13 Wochen vor dem Urlaub erhalten hat.

Das Krankentagegeld

Die Anspruchshöhe auf Krankengeld bestimmt sich nach § 47 Sozialgesetzbuch. Das Brutto-Krankengeld wird nach dem Einkommen vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit berechnet. Es beträgt 70 Prozent des letzten vollen monatlichen Brutto-, aber höchstens 90 Prozent des letzten vollen monatlichen Nettoeinkommens. Bei schwankendem Entgelt (z.B. Akkordlohn) wird der Durchschnitt der letzten drei Monate zugrunde gelegt.

Rechenbeispiel:
Zusteller: Schneller Fuß
Tour 0815 mit 100 Abos  zu 0,03 € und 3 km Kilometergeld
Abrechnungszeitraum: 24 Arbeitstage

100 x 0.03€ = 3,00 € x 24 AT =  72,00 €

Nachtzuschlag 25% =  18,00 € /     90,00 € Nettoeinkommen

3 x 0,265 € = 0,795 € x 24 AT =  19,08 €

Gesamt: 109,08 €

Unser Kollege Schneller Fuß hat einen ganzen Monat für 109,08 € gearbeitet. Bei durchschnittlich 1,5 Stunden pro Tag wird daraus ein Stundenlohn von  sage und schreibe 2,50 €.

Quellen:
1.BAG, Urteil v. 11. Januar 2006, 5 AZR 97/05
2.Arbeitszeitgestz
3.Wikipedia
4.Bundesurlaubsgesetz
5.Sozialgestzbuch

 

 

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12 comments to Der Lohn eines Zeitungszustellers

  • Das ist schon sehr traurig, wie sich manche Menschen einen abschaffen müssen um ein paar Euro zu verdienen.
    Aber ein einzelner Mensch kann da nichts dran ändern!

  • Lothar

    Das ist sauber und realistisch gerechnet. 2,50 € die Stunde ist selbst für einen Nebenjob das absolute Dumping. Nun sind viele auf das sogenannte Hartz- IV angewiesen. Man darf also nicht die Zuverdienstgrenze – ich glaube 165,- € im Monat – überschreiten, sonst wird substrahiert. Wer also eine grössere Tour mit 150 Zeitungen realisiert und auf das Jobcenter angewiesen ist, macht schon mal Nasse. Da werden dann aus 2,50 € Stundenlohn knapp 2 Euronen.

    Was sagt uns diese Rechnerei? Es gibt viele Dödels, die für fast Nichts Nachts durch die Gegend rennen und besser im Bett bleiben sollten. Oder warum gibt es diese massenweise Stellenangebote: Bitte, bitte liebe Leute, ruft uns an, tragt unsere Zeitungen aus und lasst Euch schön verarschen !

  • happygirl

    Und wisst ihr was noch viel beschissener ist? Der gute 1,50 € Jober kann das hinzuverdiente behalten, kein Cent wird angerechnet. Der Dumme ist der, der auf dem 1. Arbeitsmarkt einen Nebenjob gefunden hat. Also werden die, die wirklich arbeiten wollen in den Allerwertesten getreten.

  • Jim

    Die Zahlen sind aber auch sehr niedrig angesetzt!! 109,08 Euro bei einem Job als Zusteller für Tageszeitungen kann doch nicht stimmen!!! Wer steht denn Nacht für Nacht auf, macht bei Schnee und Eis täglich 1,5 Stunden und bekommt dafür zum Monatsende 109,08 Euro????
    Ich bekomme derzeit einchl. Nachtzuschlag 219 Euro für 100 Tageszeitungen (brutto)! Diese Summe wurde seit 12 Jahren nicht mehr erhöht!! Ich arbeite wohl auf Steuerkarte und habe mehrere Hundert Zeitungen. Wir stellen in der Regel zwischen 3 und 7 Uhr zu und die Zeit ist knapp bemessen. 7 Uhr ist absolute “Deadline”, auch in den Außenbezirken!!!
    Übrigens, rund 120 km weiter erhalten die Zeitungsboten schon brutto 60 Euro mehr auf 100 Exemplare pro Monat!!!
    Wir werden also hier an der Nordseeküste eigentlich schlecht bezahlt!!!

  • Gerlinde

    Hallo Jim,
    vielen Dank für Dein Interesse an meinem Artikel. Ich muss Dir insoweit recht geben, dass mein Rechenbeispiel niedrig angesetzt ist. Durch meine Recherchen kann ich aber leider nur bestätigen, dass der Lohndumping in den östlichen Berliner Bezirken harte Realität und keine Fiktion ist. Ein kleiner Teil von Zustellern hatte sogar noch weniger am Monatsende. Es waren vor allem noch rüstige Rentner, die kleine Touren mit 70-80 Zeitungen liefen. Deren monatliches Einkommen möchte ich gar nicht erst berechnen. Die Gefahr einer Depression wäre zu groß. Ich würde mich freuen, wenn Du uns auch weiterhin an Deinen bestimmt zahlreichen Erfahrungen teilhaben lässt. Für eine repräsentative Aussage ist es immer gut, so viele Informationen wie möglich, zu haben.
    Gruß Gerlinde

  • hanna

    Hi Jim, ich kann dir ja mal meinen Lohnzettel zukommen lassen, denn was Gerline schreibt, das stimmt 100%tig. Es ist deprimierend, für 100e jeden Monat, bei Wind und Wetter arbeiten zu gehen. Aber was solls, 100e sind 100e.

  • Michael Rasch

    aloa Leute ! Wie ich schon mal früher geschrieben habe , stirbt die Generation Zeitungszusteller aus . Junge Leute halten dieses Einkommen für zu niedrig , nicht zu Unrecht ! Ich mache diesen ” SPAßVOLLEN”-Job nun seit 6 Jahren und es ging immer mehr Bergab . Nachwuchs , dass hätten die wohl gerne , aber bei diesen Verdienstmöglichkeiten haben die sich wohl in die eigene Hand gepie… ! Mit Grüßen Micha

  • Lothar

    So round a bound bekommt Jim also bei 6 Wochentagen ca. 8,00 Cent pro Zeitung.
    Das ist doch ganz ordentlich und m.E. auch angemessen.
    Zu meiner Zeit habe ich noch nicht mal die Hälfte bekommen.
    Also wieder mal die grosse Frage: Appel oder Ei. Beides scheint wohl in Berlin nicht möglich zu sein.
    Aber da es ja immer noch genügend Leute gibt, die für einen feuchten Händedruck nachts mit Zeitungen durch die Gegend düsen, wird dies auch so bleiben.
    Von nichts kommt nichts und wird leider auch nicht mehr.

  • runner

    Hallo zusammen,
    um dem theoretischen Rechenbeispiel ein weiteres Realbeispiel an die Seite zu stellen.
    Habe als Nebenjob eine Tour in Berlin gemacht. Stabiles Gebiet mit kaum wechselden Beziehern. Rund 190 Abos. Bei flottem Schritt braucht man ca. 1,5 Std. – bin die Tour im Sommer aber auch regelmäßig gejoggt und hab dann nur noch ne gute Stunde gebraucht. Bei den o.g. 2,50 € wär ich bestimmt auch nicht losgelaufen, aber bei 5 Cent pro Abo plus 25% Nachtzuschlag aber ohne km-Geld, kommt man auf einen akzeptablen Stundenlohn [ 190 x 0,05 = 9,50 + 2,38 = 11,88 / 1,5 Std. = 7,92 € ]
    Allerdings ist das auch eine kompakte Tour (übrigens ohne Hochhäuser). Davon gibt es leider nicht viele in Berlin.
    Machts gut

  • Traumprinz

    äh, bei ca. 2,5 cent pro Zeitung bekommt man ja als Zusteller einer kostenlosen zeitung mehr… Was bekommt ihr für die Prospekte / Aboflyer Resthaushaltsverteilungen dazu?

  • Jim

    Hallo Gerlinde, hallo hanna,
    natürlich glaube ich Euch das und bin weiter entsetzt!! Es gibt auch viele Verlage, die nur mit 400 Euro Kräften arbeiten, ich frage mich nur wie´s mittelfristig funktioniert, denn ein Bote muß sich auch einarbeiten!!! Wer schon mal die Tageszeitungen zugestellt hat, weiß, wie schwer es ist, wenn man die Tour nicht kennt!!!
    Ich würde solch einen Job nicht machen, wenn ich weder RE noch KA versichert bin.
    Ein ordentlicher Arbeitsvertrag ist schon wichtig.
    Michael Rasch schreibt es schon richtig: “Es ging immer mehr bergab!!” Das kann ich auch bestätigen!!!
    Mitte der 90er Jahre wurde man noch ganz anders behandelt. Nicht nur vom Vertrieb, auch von den Kunden…
    Diese Masse an Zusatzbeilagen (für Haushalte ohne Tageszeitung)gab es nicht und die Idee, uns Boten Briefe mit ausliefern zu lassen, gab´s auch noch nicht!!!
    Zum Schluß möchte ich nochmal drauf hinweisen, dass mein/unser Lohn hier an der Küste ein Bruttolohn ist. Da gehen also noch alle Sozialbeiträge von ab…
    Habe langsam das Gefühl, jeder Verlag zahlt seinen Boten nach eigenem Gutdünken!?

  • Anette

    Hallo zusammen!
    Ich bin Zusteller einer kostenlosen Zeitung und bin zum Glück nur 1x die Woche mit 1291 Zeitungen unterwegs,bei Wind und Wetter.Jetzt hat unser Arbeitgeber einfach mal beschlossen er spart sich die Sonn-und Feiertagszuschläge für den 25.12.11 und den 01.01.12 indem er einfach beschließt,die Zusteller dürfen alle am 24.12.bzw 31.12.austragen.Nett,oder?Und wenn man ihm dann mitteilt,daß es Feiertage sind,einem die Zuschläge zustehen und man die auch auf jeden Fall haben möchte,wird einem gesagt,daß man die Zuschläge kriegt aber dann nach Ablauf der 2wöchigen Kündigungsfrist gehen darf!Und wenn man nicht bereit ist an den angegebenen Tagen zu tragen muß man halt auf seinen Lohn für die Tage verzichten weil dann Ersatz gesucht wird.Nur gehen viele aber arbeiten um wie wir nicht mehr auf Hartz 4 angewiesen zu sein und die brauchen das Geld.Also was macht man?Richtig.Austragen und sich ärgern,daß man so mies behandelt wird!!!

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